Ein Tag aus unserer Praxis

Heute möchten wir Ihnen zeigen, wie ein Tag in unserer lebhaften TCM-Praxis aussieht. Wir haben interessante Patientengeschichten für Sie herausgesucht, die auf ähnlich existierenden Fällen basieren. Die Personen in unserer Erzählung sind jedoch fiktiv und mit viel kreativer Fantasie frei erfunden.

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Helles Wartezimmer einer TCM-Praxis mit modernen Stühlen und buntem Teppich

9:00 Uhr

Pünktlich zum vereinbarten Termin erscheint Herr Urs Macher in der Praxis. Er hatte sich über unser Online-Buchungsportal wegen Potenzstörungen angemeldet. Aus Sicht der TCM hängt die Potenz eines Mannes mit seiner Nieren-Yang-Energie zusammen. Die Nierenenergie nimmt im Laufe des Lebens auf natürliche Weise ab. Allerdings gibt es Faktoren, die diesen Vorgang beschleunigen. Beispielsweise reduziert und erschöpft sich das Nieren-Yang durch unsere schnelllebige Gesellschaft mit Leistungsdruck, ständiger Erreichbarkeit und überstimuliertem Nervensystem. Ausserdem durch Leistungssport, fehlende Ruhephasen und hoher Arbeitsbelastung. Herr Macher erzählt von häufigen Langstreckenflügen aufgrund seines anspruchsvollen Jobs als CEO in einem internationalen Konzern. Seine Arbeitstage sind stressig und dauern oft bis in die Nacht hinein. Um am Abend zur Ruhe zu kommen, greift er öfters zu Wodka Martini. Um während des Tages fit zu sein, hilft ihm Kaffee, den er in grossen Mengen konsumiert. Unsere Therapeutin empfiehlt ihm, sich die nächsten Wochen mit Kaffee und Alkohol zurückzuhalten und stattdessen den Tag mit einem nahrhaften, warmen und gekochten Frühstück zu beginnen.  Weiterhin empfiehlt unsere Therapeutin, immer wieder Ruhepausen einzuplanen, viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen und regelmässig frische, eiweissreiche, mit gesunden Fetten und saisonalen Nahrungsmitteln zubereitete Mahlzeiten einzunehmen. Für die akut bestehenden Potenzstörungen erhält Herr Macher eine vitalisierende TuiNa-Behandlung und eine auf Nieren-Yang-Mangel abgestimmte Akupunkturkombination. Auch bekommt er Supplemente empfohlen, die ihm beim körperlichen Regenerationsprozess unterstützen sollen. Zur geistigen Beruhigung empfehlt unsere Therapeutin Herrn Macher, sich mit Meditationstechniken vertraut zu machen und diese in seinen Alltag zu integrieren. 

10:00 Uhr

Und schon erwarten wir unseren nächsten Patienten: Herr Tim Bohrer, ein Lehrling aus einem alteingesessenen Berner Handwerksunternehmen, der unter Rückenschmerzen und einem rechtsseitigen Tennisellenbogen-Syndrom leidet. Herr Bohrer meldete sich gestern spontan zu einem Termin an. Sichtbar unter Schmerzen kommt er in gebeugter Haltung ins Behandlungszimmer und erzählt, dass sein Handwerksbetrieb an einer riesigen Überbauung arbeitet. Der Zeitdruck sei enorm, da die Arbeiten bis zum Winter fertiggestellt sein müssen. So sind seine Arbeitstage nicht nur von grossem Druck geprägt, sondern häufig auch von gleichbleibenden Arbeiten, wie stundelanges Schrauben, Hämmern und Steine stemmen. Bereits gestern hatte er mit starken Rückenschmerzen in der Lendenwirbelsäule zu kämpfen, da er einen kompletten Tag in gebückter Haltung gearbeitet hat. Obwohl Herr Bohrer viel Freude an seiner Arbeit hat, merkt er, dass die intensive körperliche Belastung an seinen Kräften zehrt. Die gebückte Haltung bereitet ihm immer wieder Schmerzen im unteren Rücken. Ausserdem sind es die langen, monotonen Tätigkeiten wie Schrauben oder Hämmern, die dazu führen, dass sich sein rechter Ellenbogen schmerzhaft bemerkbar macht. Unsere Therapeutin behandelt Herrn Bohrer mit manuellen, muskelentspannenden Techniken am Rücken und rechten Arm. Im Bereich der Lendenwirbelsäule wählt sie für die Akupunkturbehandlung Punkte aus, die stärkend auf Blut und Yin wirken und zusätzlich die blockierte Energie bewegen. Ausserdem stimuliert sie Qi und Blut mithilfe von Schröpfkopfgläsern und Moxa, einer alten chinesischen Therapiemethode, bei der getrocknetes Beifusskraut an ausgewählten Akupunkturpunkten verbrannt wird. Für den rechten Ellenbogen wählt sie ebenfalls eine Akupunkturbehandlung, die sie nach druckschmerzhaften Punkten, den sogenannten Ashi-Punkten, auswählt. Mit Hilfe der langwelligen TDP-Lampe führt sie dem Ellenbogen Wärme und wohltuendes Infrarot-Licht zu, das mit einem speziellen elektromagnetischen Spektrum den Energiefluss in den Meridianen positiv beeinflusst. 

11:00 Uhr

Unsere nächste Patientin ist Frau Sarah Krone, die mit chronischem Erschöpfungssyndrom nach einer durchgemachten Covid-Erkrankung zu uns kommt. Ihre Stimme ist dünn und kraftlos, als sie von ihrem erhöhten Schlafbedürfnis erzählt und davon, dass sie keine Energie für Sport und Familie aufbringt. Unsere Therapeutin diagnostiziert nach einer ausgiebigen Zungen- und Pulsdiagnose das sogenannte Post-Covid-Syndrom. Um Frau Krone dabei zu unterstützen, schnell wieder zu ihrer alten Leistungsform zu gelangen, stellt unsere Therapeutin eine Kräuterrezeptur zusammen, die aufbauende und kräftigende Pflanzen- und Wurzelteile beinhaltet und zusätzlich solche, die pathogene Erreger aus dem Körper eliminieren. Um diesen Vorgang zu unterstützen, empfiehlt sie Frau Krone ein Supplement bestehend aus Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen, um den Körper bestmöglich zu unterstützen. Ausserdem wendet sie an Frau Krones Rücken die sogenannte GuaSha Methode an (eine Schabetechnik auf der eingeölten Haut), in ihrem Fall an den langen Rückenstreckermuskeln sowie zusätzlich auf den Hautreflexzonen von Nieren und Leber. Aufgrund der manuellen Reiztherapie, die Frau Krone als äusserst wohltuend wahrnimmt, bilden sich im Unterhautgewebe kleinste Mikroblutungen, sogenannte Petechien. Diese sorgen für eine erhöhte Reaktionsbereitschaft des Immunsystems. Im Anschluss informiert sie sich über die neuesten Forschungsergebnisse zum Post-Covid-Syndrom, die unsere Praxis regelmässig über das „Journal of Chinese Medicine“ und dem „Evidence Based Acupuncture Discussion Forum“ erhält. 

Nach diesem intensiven und interessanten Therapievormittag nutzen wir Therapeutinnen die anstehende Mittagspause, um unsere eigenen Energiereserven wieder aufzufüllen. Mit einem Spaziergang an die Aare und ein paar Yoga-Übungen im Aufenthaltsraum stärken wir uns für den anstehenden Nachmittag. Wir sind gespannt, welche spannenden Patientenfälle uns in der zweiten Tageshälfte erwarten.