Stress ist nicht der fordernde Chef, die zu erledigende Steuererklärung oder der nörgelnde Kunde. Das alles sind Reize, die Stress auslösen können – sogenannte Stressoren. Wenn wir aufgrund eines oder mehrerer Stressoren anfangen zu schwitzen oder wenn der Blutdruck steigt, dann ist das der eigentliche Stress. Dieser bewirkt eine Ausschüttung von Stresshormonen aus der Nebenniere, der Kreislauf wird aktiviert, der Zucker- und Fettsäurespiegel im Blut erhöht sich und wir sind in der Lage, körperliche Höchstleistungen zu vollbringen. Wenn wir uns einer sportlichen Herausforderung aussetzen, empfinden wir dies trotz körperlicher Anstrengung als angenehm und erholen uns auch schnell wieder davon. Unser vegetatives Nervensystem schaltet von Aktivität zurück auf Ruhe und der Spiegel der Stresshormone im Blut sinkt wieder auf einen Normalwert.
Problematisch wird es, wenn die Regeneration zu kurz kommt oder wenn äussere negative Reize zum Dauerzustand werden. Beispielsweise durch eine ständig erhöhte Arbeitsbelastung, steigende Leistungsanforderung oder zunehmenden Zeit- und Termindruck. Alarmzeichen auf diese Dauerreize sind Verspannungen der Muskulatur meist im Schulter-Nacken-Bereich, Rückenbeschwerden, Kopfschmerz, der hinter die Augen zieht oder wie ein Helm auf dem Kopf sitzt, Verdauungsprobleme, Erschöpfungszustand und Müdigkeit speziell am Nachmittag. Stress belastet ausserdem den Leberstoffwechsel. Betroffene berichten von nächtlichen Aufwachphasen meist gegen 2.00 Uhr. Dieses Phänomen lässt sich mit der chinesischen Organuhr erklären. Hiernach hat die Leber zwischen 1 und 3 Uhr in der Nacht ihre höchste Leistungsbereitschaft in ihrer Entgiftungsarbeit. Wachen Sie regelmässig zu dieser Zeit auf, können Sie davon ausgehen, dass Ihre Leber aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Belastend kommen zu spätes und falsches Essen hinzu - zu viel Fett, industrielle Nahrung, Genussmittel wie Alkohol und Tabak. Ernährungsumstellungen mit leicht verdaulicher und basischer Kost am Abend sowie ausreichend Wasser über den Tag verteilt unterstützen die Entgiftungsfunktion der Leber. Weiterhin hilfreich wäre eine Einschränkung oder Vermeidung von Kaffee, Schwarztee und Alkohol sowie die Reduzierung von tierischem Eiweiss und Zucker. Bei allen chronischen Beschwerdebildern ist eine Entschlackung und Entgiftung des Körpers in Betracht zu ziehen. Besonders im Frühjahr ist eine Leberreinigungskur für den gesamten Stoffwechsel empfehlenswert. Hier haben sich Bitterstoffe wie Löwenzahnwurzel, Artischockenkraut, Pomeranzenfrüchten oder Tausendgüldenkraut bewährt, das in Form von Urtinkturen oder Pflanzenfrischsäften eingenommen werden kann. Wir beraten Sie gerne zu Dosierung und Zusammensetzung einer geeigneten Rezeptur
Aber auch chronischer Stress und Unzufriedenheit können als Wurzel der Entstehung eines Ungleichgewichts der Leberenergie gesehen werden. Das erste Anzeichen, dass die Leber aus dem Gleichgewicht geraten sein könnte, ist meist das Auftreten der Emotion Ärger und die damit in Zusammenhang gebrachten Gefühle wie Frustration, Aggression, Ungeduld und Starrsinnigkeit. Die mit diesen Haltungen verbundene körperliche Anspannung und Steifheit lässt sich nur auflösen, indem wir Schritt für Schritt für uns selbst eintreten. Wir müssen (oder besser dürfen) die Bedingungen und Räume schaffen, unter denen wir uns verwirklichen und glücklich sein können. Entspannungsübungen wie Tai-Chi, Yoga, Qi-Gong, autogenes Training und Meditation schaffen geistige Ruhe und helfen, inneren Abstand zu der Intensität der negativen Gefühle zu bekommen.
Die natürlichste Stressbewältigung ist die körperliche Bewegung und Aktivierung von Lebensfreude. Günstig zum Abbau von Stressfolgen sind moderate Ausdauersportarten wie Spaziergänge, Walking, Jogging, Radfahren und Schwimmen. Dabei sollte ein Belastungsniveau gewählt werden, das uns noch erlaubt, das eine oder andere Wort zu sprechen - sozusagen laufen ohne zu schnaufen. Kennen Sie eigentlich die Antwort auf die Frage an Winston Churchill, warum er so alt geworden sei? „No sports!“ lautete diese und liegt tatsächlich meilenweit von der Wirklichkeit entfernt. Statistiken belegen, dass regelmässiges Praktizieren von Sport keineswegs Mord ist, sondern zur Prävention zahlreicher Krankheiten und erheblich zum Stressabbau beiträgt. Wie aber können Sie sich nun zum tatsächlichen Beginn motivieren? Ganz einfach: Schuhe an – und los! Ein grosser Vorteil regelmässiger Bewegung ist, dass man recht rasch Fortschritte erzielt und diese auch dokumentieren kann. Wenn ein Anfänger beispielsweise beim Lauftraining zu Beginn 3 Minuten am Stück joggen kann und nach einer Woche bereits auf 4 Minuten steigert, dann ist dieser Erfolg unglaublich motivierend. Wie bei kaum einem anderen Therapieverfahren sieht man beim Sport, wie es vorwärts geht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes!
Auch naturheilkundliche Behandlungen wie manuelle Therapien, Akupunktur und Pflanzenmedizin können wirkungsvoll bei stressbedingten Beschwerden eingesetzt werden, egal ob es sich um Muskelverspannung, Kopfschmerzen oder Gereiztheit handelt. Meist behandeln wir in unserer Praxis mit Akupunktur und manueller Therapie. Akupunkturpunkte auf der Leber- und Dickdarm-Leitbahn kommen zum Einsatz, wie beispielsweise Leber 3 und Dickdarm 4. Ausserdem Qi bewegende Techniken aus der Tuina- oder Schröpfkopfmassage. In manchen Fällen verschreiben wir ergänzend eine Kräuterrezeptur, die häufig aus bitteren, leicht kühlenden und beruhigenden Bestandteilen besteht. Wir beraten Sie gerne in unserer Praxis zu diesem Thema.