Berühmte Ärzte in der Geschichte der Traditionellen Chinesischen Medizin

Zahlreiche chinesische Ärzte haben zur Entwicklung der traditionellen Medizin beigetragen. Einige von ihnen hatten richtungsweisende Erkenntnisse in der Behandlung von Erkrankungen, die bis in die heutige Zeit ihre Gültigkeit haben. Wir möchten Ihnen einige dieser Persönlichkeiten vorstellen.

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Bunte tibetische Gebetsfahnen in einer Berglandschaft bei Sonnenaufgang mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Huang Di (wahrscheinlich 215-282)

Huang Di ist auch bekannt als der «Gelbe Kaiser» oder der «GelbeAnführer». Er ist wohl der bekannteste Arzt in der TCM. Er konnte als ersterFührer im alten China alle Stämme des Reiches vereinen. Ihm wird eine grosseAnzahl von Texten zugeschrieben – unter anderem das «Huangdi Neijing». Dermedizinische Klassiker beschreibt die Theorien der traditionellen chinesischenMedizin und gilt als Grundlagenwerk. Beispielsweise finden hier Yin und YangErwähnung, die fünf Elemente und die körperlichen Leitbahnen. Ausserdem ist erwegweisend bei der Ausgestaltung der chinesischen Arzneimittelmedizin unddiente als Basiskonzept. Interessant ist, dass wir hier bereits eineganzheitliche Betrachtungsweise finden, wonach der menschliche Körper daswiderspiegelt, was auch im Aussen vorzufinden ist. Körper und Aussenwelt sindeng miteinander verbunden (wie innen so aussen). Huang Di hob ausserdem hervor,dass die Vorbeugung und richtige Behandlung von grosser Bedeutung waren – vorAberglauben und Hexerei warnte er.

Shen Nong (genaue Lebensdaten unbekannt)

Der Legende nach war Shen Nong als der «Göttliche Landmann» bekannt.Er lehrte den Nomadenvölkern im alten China, welche Pflanzen als Nahrunggeeignet sind und wann sie Samen aussähen sollten. Unter seiner Anleitungwurden sie sesshaft, konnten Früchte ernten und Werkzeuge selbst herstellen. SeinLeben widmete Shen der Suche nach heilkräftigen Arzneisubstanzen zur Bekämpfungvon Krankheiten. Hierzu bereiste er ganz China. Er sammelte und kostete diemedizinischen Substanzen, wodurch er reiche Kenntnisse über therapeutischeWirkungen und Nebenwirkungen erlangte. Es ist überliefert, dass er eineVielzahl an giftigen Substanzen probierte, die er jedoch mit einem Gegenmittelneutralisierte. Als er mit dem als äusserst toxisch bekannten Kraut «DuangChang Ca» (wörtlich übersetzt «Kraut, das die Eingeweide aufbricht»)experimentierte, ging er offensichtlich einen Schritt zu weit und verstarbdaran. Aus seinem Wissen entstand die «Materia Medica des göttlichen Landmannes»,eine der ersten und wichtigsten Schriften zur chinesischen Arzneimittelmedizin,die bis heute Gültigkeit hat. Ihr Inhalt beschreibt 252 Pflanzen, 67 tierischeSubstanzen und 46 Mineralien mit Angaben zu Geschmack, Thermik, Dosierung undToxizität.  

Zhang Zhong-Jing (150-219)

Der Untergang der Han-Dynastie wurde begleitet von Bürgerkrieg,Grausamkeiten, Armut, Krankheit und Tod. Zwei Drittel der Bevölkerung starb anKrankheiten, der Grossteil davon an Kälte-Schäden, den sogenannten «Shan Han».Auch Zhang Zhong-Jings Familie war davon betroffen. Der eigene Verlustinnerhalb seiner Familie und in der Region erschütterte ihn so sehr, dass Zhangsich sein Leben lang dem Studium und der Ausübung der Medizin widmete. Seinebedeutendsten Werke sind «Shan Han Za Bing Lun», die Abhandlung überfieberhafte, durch Kälte verursachte Erkrankungen, die einen Schwerpunkt aufAussen-Erkrankungen legt und «Jin Gui Yao Lue», das sich auf innereErkrankungen konzentriert. Seine Werke werden in den weltweiten TCM-Schulenauch heute noch als obligatorische Literatur verwendet und viele seinerverwendeten Rezepturen als Standard angesehen. Beispielsweise findet das WeisseTiger Dekokt (Bai Hu Tang) bei Fieber Anwendung oder «Yin Chen Hao Tang» beiGelbsucht.

Zhang Jing-Yue (1563-1640)

Zhang lebte und praktizierte Medizin während der Ming-Dynastie. Erstudierte nicht nur 30 Jahre lang das «Huang Di Nei Jing», den innerenKlassiker des gelben Kaisers, sondern auch Astrologie, Philosophie, Musik undMedizin. Er stellte fest, dass Ärzte viel zu häufig scharfe, heisse undtrocknende Arzneien verschrieben. Dadurch schädigten sie das Yin und dieKörpersäfte der Patienten. Zhang verwendete vermehrt tonisierende Arzneimittel,um verletztes Yin und Körpersäfte aufzufüllen. Sein Wirken war nachhaltig undseine tonisierende Rezepturen, die er gebrauchte, werden auch heute nochverschrieben. Er veröffentlichte viele Schriften, darunter auch sein bekanntesWerk «Jing Yue Quan Shu» aus dem Jahre 1624. Darin behandelte er unter anderemdie Frauen- und Kinderheilkunde, stellte Rezepturen vor, die den Verlust vonKörpersäften stoppten und allgemein tonisierenden Charakter aufwiesen. EinBeispiel daraus ist die Rezeptur «Ju Nu Jiang», die als «Jadefrau Dekokt»bekannt wurde.

Wu You-Xing (1580-1660)

Die Übergangszeit von der Ming-Dynastie zur Qing-Dynastie warüberschattet von Krieg, Armut und sehr schlechten hygienischen Verhältnissen.Durch Epidemien verstarben Millionen von Menschen. Die meisten Ärzte, diewährend dieser Zeit therapierten, folgten bei ihren Behandlungen denRichtlinien des «Shang Han» (Kälte-Schäden). Bei den epidemischenWärme-Erkrankungen (Wen Yi) hatten sie damit allerdings wenig Erfolg. Wubeobachtete einen Zusammenhang zwischen pathogenen Erregern und Immunsystem,dies ungefähr 200 Jahre vor der eigentlichen Entdeckung von Bakterien undanderen Mikroorganismen. Seine Erkenntnisse beschrieb er 1642 in dem Werk «WenYi Lung», worin er Ursachen und Übertragungsformen von epidemischen Wärme-Erkrankungenerörterte. Hierfür riskierte er sein Leben, suchte betroffenen Menschen undHäuser auf, um die Kranken zu untersuchen, zu befragen und dann zu behandeln. Dadurchkonnte er feststellen, dass epidemische Wärme-Erkrankungen nicht durch Windoder Kälte, sondern durch sogenanntes «Li Qi» (fehlgeleitetes Qi) verursachtwurden und dass hauptsächlich Personen mit einem Mangel-Zustand (schwachesImmunsystem) betroffen waren. Ausserdem stellte er fest, dass jenesfehlgeleitete Qi von einer Person zur nächsten übertragen werden konnte. SeineAufzeichnungen trugen die Worte: «…Li Qi existiert im Universum, hat aber wederLaut noch Geruch noch Schatten…».

Liu Yuan-Su (1120-1200)

Liu lebte in einer trockenen Region im Norden von China. Dorternährten sich die Menschen hauptsächlich von Fleisch und Käse. Diese zählen zuden warmen und Feuchtigkeit bildenden Nahrungsmittel. Als einer derberühmtesten Ärzte der Song- und Jin-Dynastie erarbeitete er das «Huo Re Lun»,eine Erörterung von Feuer- und Hitze-Erkrankungen. Er stellte darin ein Konzeptvor, das die Verwendung von kühlen und kalten Substanzen zur Behandlung vonHitzestörungen empfahl. Da als führende Denkrichtung bisher die Theorie desShang Han (Kälte-Schäden) vorherrschte, war dies von grosser Bedeutung. Er warder Meinung, dass der äussere pathogene Faktor «Hitze» und «Sommer-Hitze» vorallem die von ihm beobachteten Erkrankungen verursachte. Aufgrund dergeografischen Gegebenheiten stufte er die pathogenen Faktoren Wind und Kälte indieser Region als eher unwichtig ein.

Weitere wichtige Ärzte

Ye Gui (1666-1745)
Widmete sich den Hitze klärenden Rezepturen

Wu Tang (1758-1836)
Widmete sich den Sommer-Hitze zerstreuenden Rezepturen

Wang Shu-He (ca. 3. Jahrhundert)
Widmete sich den Rezepturen zur Erwärmung des Inneren

Qi an Yi (ca. 1032-1113)
Widmete sich den tonisierenden Rezepturen

Bian Que (ca. 407-310 v.Chr)
Widmete sich den Shen (Geist) besänftigenden Rezepturen

Hua Tuo (110-207)
Widmete sich den Rezepturen zur Öffnung der Sinne

Fu Shan (1607-1684)
Widmete sich den adstringierenden Rezepturen

Li Shi-Zhen (1518-1593)
Widmete sich den Qi regulierenden Rezepturen

Wang Qing-Ren (1768-1831)
Widmete sich den Blut regulierenden Rezepturen

Wang Tao (670-755)
Widmete sich den Wind vertreibenden Rezepturen

Tao Hong-Jing (456-536)
Widmete sich den Trockenheit behandelten Rezepturen

Wang-Ken-Tang (1549-1613)
Widmete sich den Feuchtigkeit beseitigenden Rezepturen

Sun Si-Miao (581-682)
Widmete sich den Wind-Feuchtigkeit vertreibenden Rezepturen

Zhu Zhen-Heng (1281-1358)
Widmete sich den Schleim vertreibenden Rezepturen

Li Gao (1180-1251)
Widmete sich den abbauenden, ausleitenden und auflösenden Rezepturen

Ge Hong (284-364)
Widmete sich den antiparasitär wirkenden Rezepturen

Zhang Cong Zheng (1151-1231)Widmete sich den Erbrechen auslösenden Rezepturen

Gong Ting Xian (1522-1619)
Widmete sich den Rezepturen zur Behandlung von Abszessen und Wunden

Quellennachweis:
Broschüre «Berühmte Ärzte» Verlag Systemische Medizin (John K. Chenund Tina T. Chen)